Fragen & Antworten zur Anliegenmethode (IOPT)

In einer Gruppendynamik sind alle Beteiligten involviert, also die Resonanzgeber, die Beobachter und z.B. ich, als Begleitung. Es kann deshalb immer wieder mal zu Diskussionen oder Zweifel kommen, wenn man einigen Punkten in der Arbeit mit der Anliegenmethode nicht genügend Beachtung schenkt. Sie können im schlimmsten Fall bis zu einer Gruppenspaltung führen. Aus diesem Grund habe ich einen kleinen Fragen & Antworten Katalog zusammengestellt, um gängigste Stolpersteine im Umgang mit dieser Arbeit zu erkennen und zu differenzieren.

Die Anliegenmethode basiert auf der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie (IOPT nach Prof. F. Ruppert), d.h. diese Arbeit folgt einem logischen Konzept und es ist deshalb für Besucher eines Seminars oder Workshops nicht immer einfach, die entsprechenden Dynamiken (z.B. Täter-Opfer Dynamik) auf Anhieb zu erkennen. Es kann vor allem auch dann verwirrend werden, wenn man mit dem Thema des Anliegen-Einbringers (Klient) selber in Resonanz steht.


Kann ich den Informationen und Emotionen der Resonanzgeber Glauben schenken...?

 ...oder lässt sich evtl. auch etwas anderes hineininterpretieren (z.B. Resonanzfeld anderer Familienmitglieder/ mehrgenerationale Perspektiven, spirituelle Betrachtungsweisen etc.) ?

 

Es geht in dieser Arbeit immer(!) um die Autonomie jeder beteiligten Person, sonst würde sich die IOPT komplett in ihrer Grundlage widersprechen. D.h. es gibt keinen Grund als Begleitung die Informationen der Resonanzgeber anzuzweifeln oder seine eigene Meinung aufzudrängen.

Wenn ich mich als Begleitung darauf einliesse, dann würde ich unter Umständen eine Täterrolle übernehmen und den Klienten re-traumatisieren oder ihn in seiner Überlebensstrategie (Verhaltensmuster) unterstützen.

 

Natürlich haben die Klienten das Recht darauf, an den offenbarten Informationen und Emotionen Zweifel zu haben. Die Zweifel der Klienten (oder auch der Resonanzgeber) sind manchmal auch für mich in der Begleiter Rolle nicht immer einfach mit zu tragen, da mir bewusst ist, dass gewisse Resultate oft nicht in das bisherige Weltbild der Klienten passen. Manchmal braucht der Klient einfach einen Impuls und genügend Zeit, um sich langsam darüber klar zu werden, dass er vielleicht  faktisch als Kind nicht immer genügend geliebt und geschützt wurde, anders als er sich das bisher in seiner eigenen Vorstellung abgespeichert hat. 

 

Schlussendlich aber, sind die Klienten die einzigen Personen, die im Verlauf ihres Prozesses (wenn sie im Prozess bleiben) eine (Wieder-)Verbindung zu ihrer vollständigen Biografie finden und dadurch ihre erlittene Traumata heilen können.

Zu den eigenen Zweifel zu stehen finde ich genau deshalb so wichtig, weil wir ja autonomer und freier werden wollen und dazu gehört eben auch: vorsichtig sein, prüfen und nicht alles für bare Münze nehmen müssen. 

 

 

Ich selber hatte auch schon eigene Aufstellungen, bei denen ich einfach mal die Informationen und bestimmte Eindrücke ad acta legen musste, weil ich mit gewissen Infos (noch) nichts anfangen konnte. Aber ich glaube das ist wie überall mit der Wahrheitsfindung: Einfach mal offen bleiben, informieren, abwarten und weiter nach der Wahrheit suchen. Viele Wahrheiten kommen erst viel später ans Licht - oder eventuell eben gar nie!

Nimmt der Resonanzgeber seine “eigene Kiste” mit?

Ein Resonanzgeber nimmt meistens auch seine eigenen Themen mit in die Arbeit, sonst hätten wir ihn oder sie nicht als Resonanzgeber/in gewählt. 

 

Dabei gilt anzuerkennen, dass der Resonanzgeber sich im Resonanzfeld des Klienten befindet und ihm dadurch energetisch zu Diensten steht. Das bedeutet, dass sich die entsprechenden Informationen/Energien zwischen dem Resonanzgeber und Klient widerspiegeln und deshalb essentielle Aspekte verstärkt zum Vorschein kommen können. 

 

Als Klient bekomme ich einen neuen Zugang zu meinem blinden Fleck  oder anders gesagt, ich kann auf diesem Weg mit meinen unbewussten Überlebensstrategien oder Verhaltensmuster in Kontakt kommen, um diese Anteile in einem weiteren Schritt friedvoll integrieren zu können. 

 

Warum ist es oft so schwierig sich vorzustellen, dass man Opfer einer Traumatisierung wurde?

Meine Erfahrung zeigt sehr oft, dass der eigene Heilungs-Prozess durch Täterschutz gehemmt wird. Das heisst, der Klient ist (noch) nicht in der Lage anzuerkennen, dass er/sie ein (mögliches) Opfer von geliebten Personen z.B. Eltern wurde.

Die Situation widerspiegelt im Prinzip eben genau die Haltung, die ein Opfer aus einem traumatisierten Erlebnis über Jahre einnehmen musste, um die ursprüngliche traumatisierende Situation aushalten zu können. Zum besseren Verständnis lässt sich das oberflächlich gesehen mit dem allgemein bekannten “Stockholm-Syndrom” vergleichen.

 

Beispiel 1: Stell dir mal eine Person vor, mit der du es knapp einen Abend oder einen Tag in Gemeinsamkeit aushalten würdest. Nun wirst du dort in diese Familie als Kind hineingeboren und solltest diese Person über Jahre aushalten... Als Kind wird das zur Normalität. Es wird das Spannungsfeld, die emotionalen wie auch die psychischen Misshandlungen aushalten müssen.

Das Kind wird dann auf seine Weise überleben, seine wahre Identität nicht entwickeln können und dabei in den meisten Fällen “Eltern-loyal” bleiben. Es wird sich dann in diesem Fall als erwachsene Person sogar an eine schöne Kindheit zurückerinnern, weil es ja dazwischen sicherlich auch mal ein paar schöne Momente gab.

 

Beispiel 2: Eine Mutter hegt Abtreibungsgedanken, was unter entsprechenden Umständen absolut verständlich sein kann (das ist weder verurteilend noch Partei ergreifend gemeint). Die Konsequenzen aus diesem Gedanken oder Vorhaben werden jedoch sehr tiefgreifend für das heranwachsende Kind sein, weil der Embryo sich in vollem Umfang lebensbedroht fühlt – und zwar von der eigenen Mutter. Naturwissenschaftlich bin ich bisher auf keine Beweise gestossen die diese Aussage untermauern würden, in der Aufstellungsarbeit hingegen, zeigt sich die Panik der Lebensbedrohung immer wieder in aller Deutlichkeit und die eigenen Blockaden finden je nach Thema plötzlich einen direkten emotionalen Bezug und können sich danach auflösen.

Natürlich kann eine Mutter die Kurve während ihrer Schwangerschaft wieder kriegen und sich für das Kind entscheiden, ihm in den weiteren Lebensjahren danach «normal» zur Verfügung stehen aber die Wahrheit, dass dabei ein emotionaler Bruch stattgefunden hat, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Das kennst du als erwachsene Person, wenn du von jemandem verraten wirst. Es braucht dann ganz viel Engagement beiderseits, um das verloren gegangene Vertrauen wieder aufzubauen. 

Abtreibungsgedanken oder -versuche der Mutter hinterlassen vielfältige und sehr fundamental (unbewusste) Narben bei einem Menschen. Das daraus entstandene Leid oder die Überlebensstrategien lassen sich aber mit dieser Arbeit auch wieder reduzieren, so dass der Klient nach diesem Prozess zu mehr emotionaler Freiheit und Lebensqualität kommt.

 

Übrigens: Interessanterweise fällt es den meisten Personen viel leichter, sich mit ihrer Täter-Energie als mit ihrer Opferschaft zu identifizieren.

 

Was bedeuten Täter- oder Sabotage-Anteile in meiner eigenen Aufstellung?

Es könnte manchmal so einfach sein!... aber da gibt es manchmal hartnäckige Resonanzgeber, die dann ganz und gar nicht in die “Harmonie-Pfeife” blasen wollen und eine mehr oder weniger heftige Täter-Energie gegen den Klienten (oder umgekehrt!) offensichtlich zur Schau tragen. Daraus kann sich eine gefährliche Dynamik entwickeln, wenn die Disharmonie nicht während oder nach der Arbeit aufgelöst wird. 

 

Es gibt es immer einen Grund, weshalb diese Dynamik in einer Arbeit auftritt. Auch hier gilt wieder: Die Resonanzgeber sind ernst zu nehmen und bieten dem Klienten ein andere Art von Einsicht in die eigene Täter-Opfer-Dynamik.

 

Mit seinem inneren Saboteur konfrontiert zu werden bedeutet natürlich für jeden Klienten eine ziemliche Herausforderung, aber diese Kämpfe finden ja sonst im Alltag mit anderen und mit sich selber statt - meist unterdrückt und zu ungunsten der eigenen Gesundheit. 

 

Diese Konstellation in einer Aufstellung bedeutet die Chance, zuerst seine eigene Verstrickung in einer Täter-Opferdynamik zu sehen und sie danach in weiteren Schritten zu erkennen, anzunehmen und zu friedvoll integrieren.

 


Die Anliegenmethode ist eine super Methode um seine Traumata, seine Verhaltensmuster oder seine körperlichen Symptome aufzulösen und damit kommen wir automatisch viel mehr in Bezug mit unserer Eigenverantwortlichkeit. Falls es für dich möglich ist, sprich bitte als Klient, Resonanzgeber oder Beobachter deine Missstände aus, wenn bei einer Arbeit etwas nicht klar war. Mit deiner Handlung lassen sich Missverständnisse, Interpretationen und eventueller Frust vermeiden und für alle Beteiligten gibt es eine neue wunderbare Chance etwas Neues dazuzulernen.