Grenzenlose Gesellschaft - grenzenloses ICH?

Ohne Grenzen fühlen wir uns wie in einem Haus ohne Türen und jeder kann eintreten.

Die Menschen sind da sehr unterschiedlich, bei manchen Menschen kann man nicht nur in den Vorgarten reinlaufen, sondern auch in den Eingangsbereich, in das Wohnzimmer und sogar bis zum Schlafzimmer, ohne dass die sich verteidigen, die geben einfach auf, die kollabieren.

 

Wie viel an persönlicher Demütigung toleriere ich? Wann ist der Punkt erreicht, an dem ich sage: STOPP!

 

Woran liegt das, dass manche Menschen sich nicht mehr verteidigen und aufgeben, anstatt anderen Menschen zu sagen: „Stopp“, das geht über meine Würde?

Wo und wann ist die Grenze, die rote Linie überschritten?

Diese und ähnliche Fragen werden sich in der Coronakrise viele schon lange stellen. Dabei merken die wenigsten, dass die roten Linien eigentlich schon längst überschritten sind. Doch so schleichend, wie die Maßnahmenschraube angezogen wird, findet eine schrittweise Gewöhnung an Zustände statt, die wir noch vor einem Jahr rundheraus abgelehnt hätten.

Scheibchenweise wird unsere Freiheit beschnitten, immer nur so viel, wie es gerade noch verkraftbar ist. Dadurch verschieben sich die roten Linien immer weiter, bis es zu spät ist

  

 

Darum haben so viel Menschen keine Grenzen und machen was ihnen gesagt wird. Es gibt in diesen Menschen nichts, das sagt: „Stopp“, „das ist gegen mich“, sie können es nicht mal mehr wahrnehmen.

Grenzen definieren ist letztendlich gar nicht so einfach, weil sie individuell völlig unterschiedlich sind

Wir sind unser Körper, denn ohne ihn könnten wir nicht überleben und auch keine Emotionen empfinden oder ausdrücken. Ohne Körper kann keine Integration bzw. Heilung stattfinden. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg ist wirklich, den eigenen Körper wieder zu verteidigen, diesen Raum um sich herum klar halten zu können, Menschen sagen zu können: “Bis dahin und nicht weiter!“ oder „Das will ich nicht!“. Es ist wichtig, Grenzen klar und deutlich setzen zu können ohne dabei mein Gegenüber verbal oder physisch anzugreifen.

 

Wir orientieren uns in unserem Verhalten immer an Überzeugungen, an Gelerntem, an dem Gefühl, das etwas verursacht, und das nutzen wir als inneres Referenzsystem, um uns sozial zu bewegen. Ja es kann aber auch sein, dass ich nie gelernt habe Grenzen zu setzen, dass ich nie gelernt habe zu erkennen wo meine „Rote Linie“ ist. Dadurch entstehen solche Fragen ja auch immer: "was darf ich, was darf ich nicht?"

 

 

Oft besteht gar kein eigenes Gefühl, ob das gerade in Ordnung ist oder nicht. Weil da immer die Außenorientierung kommt oder die Orientierung an irgendwann, an irgendwem, weil das zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht stattgefunden hat, weil sie früh nicht gelernt haben, was Grenzen sind oder dass diese gebrochen wurden.

 

Haben wir überhaupt noch eine Orientierung? 

Orientierung ist unglaublich bedeutend für dein tägliches Leben.

Wenn so viele Menschen keine Orientierung in sich haben, dann sind viele „Desorientiert“ und „Desorientierung“ ist das Charakteristikum der Zeit in der wir leben.

 

Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen eben desorientiert sind, viele Jugendliche, die einfach rumhängen, nicht wissen, was sie später machen wollen, lernen wollen, ob sie überhaupt einen Beruf erlernen wollten und was und wann und warum und überhaupt.  Menschen die einfach keine Zukunft mehr haben und sich die Frage stellen, „was ist der Sinn des Lebens“, „was ist wertvoll – was ist nicht wertvoll“, „wofür lohnt es sich zu leben“, „zu arbeiten“ oder „zu kämpfen“. Ich probiere mal das oder jenes oder mach mal gar nix, hab eh keinen Bock. Nützt ja alles nichts, sie haben keine Werteorientierung. 

 Wie kann es sein, dass so viele Menschen eine „Leere“ in sich fühlen, wie kommt es, dass sie die Orientierung verloren haben. Sie haben nur eine leere Blase. Warum lassen sich so viele Menschen von einem System vorschreiben, wie und wann sie sich zu bewegen haben, was sie mit ihrem Körper tun müssen, was sie mit ihren Kindern machen lassen, warum??

 

Das geht nur, wenn sie desorientiert sind - und warum sind sie es?

 

Menschen die orientiert sind an ihrer Gesundheit, ihrer Integrität an dem was sie brauchen um gesund zu sein, mit denen kann man so etwas nicht machen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, ist sie das?

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt"

(Artikel 1 des Grundgesetzes)

Wie ist Würde eigentlich zu verstehen? Was ist die Würde? Wie viele Leute haben keine Antwort auf diese Frage, enorm viele und das erschreckt mich.

 

Die Würde in uns besteht darin, dass wir unsere Integrität in Bezug auf das was wir in uns tragen erhalten und beschützen. Eine Würdeverletzung ist immer eine Integritätsverletzung.

 

Die Menschen haben unterschiedliche Linien an denen sie das Gefühl haben dass ihre Würde verletzt wird.  Es gibt ja nicht nur die psychische Integrität, es gibt auch die Integrität meiner Gefühle, meiner Gedanken, dass ich meine Gedanken denken kann, ohne dass mir andere ihre Gedanken aufdoktrieren, die nicht meine sind und das ist meine intellektuelle oder mentale Integrität.

Und dann gibt es eine physischen Integrität, dass ich über mich selber bestimmen kann, über mich selbst steuern kann und regulieren kann, ohne dass andere gegen meinen Willen eingreifen.

 

Die Menschen müssen sich ihrer Würde wieder bewusst werden und dieser auch wieder gerecht werden.

Bereits vor mehr als 200 Jahren hatte Friedrich Schiller schon dazu aufgefordert:

„Beobacht' und denke nach, um Wahrheit zu erkennen. Glaube nichts, was der Vernunft widerspricht, täusche weder dich selbst noch andere.“

 

Ab dem Moment, ab dem der Einzelne sich seiner Schöpferkräfte oder seines Ich's wieder bewusst wird und dieses gebraucht, erlangt er auch seine Würde zurück. Dann kann er mit klarem Denken auf die Ereignisse der Welt schauen und sich sein eigenes Urteil bilden.

 

Ich gebe zu, es ist vielleicht nicht leicht in unserer heutigen Zeit, nach dieser Empfehlung zu leben. Wer es jedoch tut, der kann sicher sein, dass er seine Würde nicht weiter reduzieren wird, wie dies bereits sehr viele Menschen getan haben. Je mehr Menschen diesem Gedanken wieder ein wenig Beachtung schenken, umso mehr gewinnt unsere Gesellschaft wieder an Würde zurück.

 

Für meine Kinder - Liebe Grüsse Inge

"Es liegt an jedem von uns, zu bestimmen, welche Werte unser Leben erfordert, wie wir diese Werte am besten erreichen und wie wir handeln, um diese Werte zu erreichen. Möge das Unsere wahr sein oder falsch, wir haben als Lebende die Pflicht, das Lebendige zu verteidigen, das Kommende vorzubereiten. Denn die Jugend, die zu unseren Füßen spielt, wird dereinst unser Richter sein."

Johann Wolfgang von Goethe 

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