Weg mit dem Smartphone!: Babys brauchen Blickkontakt

Über das Schauen entsteht die Bindung

Früher sah man Eltern, die mit ihrem Baby im Kinderwagen schäkerten, heute schauen viele Mütter und Väter mehr aufs Smartphone als auf ihren Nachwuchs.

Wenn ich junge Eltern sehe, die nur Augen für ihr Smartphone haben, verbinde ich ein großes Unbehagen. Denn Babys sind hochgradig auf die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht angewiesen. Sie brauchen den Blickkontakt, um sich im Anderen zu spiegeln und ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln. Wenn also die Mama auf ihr Kind schaut und dessen Begeisterung mit einem strahlenden Lächeln quittiert, spürt das Kind die Freude der Mutter und dadurch auch die eigene Freude.

Wenn das Baby zu wenig Blickkontakt bekommt und dies sehr oft ist, erschwert es den Aufbau stabiler Bindungen zu den ersten Bezugspersonen. Das kann Folgen fürs ganze Leben haben, wie wir aus der Deprivationsforschung wissen.

Hey, ich kenne dich! -  Hey ich liebe dich!

Der Blick ist einer der ersten Meilensteine, die Babys erreichen, und er ist besonders spannend! Es lässt die Eltern wissen, dass ihr Baby sie endlich „sieht“ und dass sie“ wichtig und anerkannt sind. Wenn sich die Augen der Eltern und des Babys treffen, passiert etwas ganz Besonderes – eine emotionale Verbindung wird hergestellt.

Die Mutter-Kind-Bindung ist die erste und wahrscheinlich wichtigste Beziehung im Leben eines Menschen. Sie beginnt bereits im Mutterleib und intensiviert sich, wenn ein Kind auf die Welt kommt und den ersten Kontakt zu seiner Mutter hat. Für die Mutter-Kind-Bindung ist es enorm wichtig, dass sich die Mutter dem Kind zuwendet.

 

Wie es möglich ist, die frühe alte Wunde aufzuspüren und zu heilen, soll anhand der Aufstellungsarbeit von mir gezeigt werden: Ich hatte von Beginn meines Lebens keine liebevolle Fürsorge von meiner Mutter erhalten und dadurch ein Symbiosetrauma erlitten.

In diesem Arbeits-Prozess bereits fortgeschritten, kam ich mit dem Anliegen in die Gruppe, dem Kind in mir zu begegnen, das von Anfang an eine intensive Ablehnung von der Mutter erleben musste. Der Boden für diese schmerzhafte und überaus berührende Begegnung war bereit. Auf frappierende Weise zeigt das Geschehen in der Aufstellung wie wichtig der Augenkontakt zwischen Mutter und Kind ist.  Die Worte, die ich für meine Arbeit wählte: “Ich”- “Verdauungsstörung”- “verabschieden”, da ich chronisch an Verdauungsstörungen litt.

Wenn der Körper für die Seele spricht

Trauma-Arbeit mit IOPT

Die für das Wort Verdauungsstörung ausgewählte Stellvertreterin, sah alles sehr schlecht, wie im Nebel. Ihre Augen bezeichnete Sie als Scheinwerfer und war nur darauf konzentriert irgendetwas sehen zu müssen. Sie bestehe nur aus Kopf, Augen und Scheinwerfer, konnte niemanden ansehen. Sonst spürte sie nichts, war nur im Kopf und überlegte wie sie es schaffte etwas erkennen zu können.

Die Stellvertreterin für das Ich wollte auch was sehen.  ”Irgendetwas will gesehen werden”, meinte Sie, “wie bei der Fernsehsendung”. “Irgendetwas muss gezeigt werden, irgendetwas muss unbedingt gesehen werden”.

Sie versuchte wie verrückt zu schauen, was wir machten. Sie sagte, dass sie die  Augen suche, die Augen der Mutter. Sie schmatzte mit dem Mund -  ihr  fehlte der Augenkontakt. Sie fand den Augenkontakt nicht, sie fand die Mutter nicht, die Mutter sah sie nicht, die Mutter schaute nicht in ihre Augen, das machte sie sehr, sehr traurig, so traurig, dass sie das Weinen anfing. Das verzweifelte Schauen um gesehen zu werden und die fehlende Verbindung, taten so weh.

 

Durch das verzweifelte Suchen nach den Augen der Mutter, hatte mein System die Verdauungsstörungen gewählt

Die Stellvertreterin für das Verabschieden drückte die Trauer aus, indem sie in sich hinein weinte. Leise, so dass es fast niemand hörte, da Gefühle zeigen und  Weinen niemanden interessierte, sagte sie. Gefühle konnte sie nicht zulassen und so musste sie es abblocken, sie machte vorher zu, denn die Situation war so schwer zu verdauen. Bedürfnisse wurden wie weggedrückt - sie konnten sich nicht zeigen.

 

 

Die Stellvertreterin für das Verabschieden war eigentlich keine Verabschiedung, es war eine Begrüßung meinte die Begleiterin. Ich muss unterdrückte Gefühle nicht loswerden sondern integrieren.  

So sprach ich die Realität aus:  „Ich darf weinen und ich halte das weinen aus”.  Ich kam somit mit meinem tiefen Schmerz, die Augen der Mama nicht zu finden und somit nicht gesehen zu werden in Berührung und konnte somit eine Heilung erreichen.

Meine Verdauungsprobleme haben sich auch beruhigt und werden immer weniger.

Die Begleiterin sprach zu mir. “Über das Schauen entsteht die Bindung du hast gestarrt, immer gestarrt, tagelang, monatelang,  du hast dir Mühe gegeben, selbst beim Flasche Geben, beim Essen - es gab keinen Blickkontakt!”

 

„Vielleicht gilt es, Altes, Ausgedientes hinter mir zu lassen, um neue Wege zu gehen.“

Ich sehe die IoPT als Aufarbeitung der eigenen Biografie und als Prävention für die Zukunft, damit ein besseres Miteinander entstehen kann. Damit die Kinder von morgen, ihr eigenes Leben leben dürfen, ohne die Traumata der Vergangenheit.

  

Liebe Grüsse und bis bald

Inge

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonnenblume (Dienstag, 27 Juli 2021 13:28)

    Hallo Inge
    finde ich super, dein Blog und dass du du über die IOPT Arbeiten schreibst!

    Danke Dir!

    Lieber Gruss

  • #2

    Inge (Mittwoch, 28 Juli 2021 09:48)

    Danke Sonnenblume!